# /0 Kurzfassung

## // Was ist ein Myzel?

Das Myzel ist an die Wurzelstruktur eines Pilzes angelehnt: ein verzweigtes Netzwerk rotierender Care-Beziehungen für soziale und politische Kontexte. Jede Person empfängt Care von zwei Personen und gibt Care an zwei andere Personen. So ergibt sich ein zirkuläres Care-Geflecht, in welchem Care-Arbeit systematisch verteilt wird.

<!-- diagram:myzel-hyphe -->

*Grundprinzip einer Hyphe: Zwei Personen geben Care an eine dritte, diese gibt wiederum an zwei andere weiter – nicht-gegenseitig, asymmetrisch, dezentral. Ein vollständiges Myzel besteht aus vielen solcher Hyphen, die zu einem zirkulären Gesamtnetzwerk verschaltet sind (im Originalprotokoll als Kreisdiagramm mit z. B. 15 Knoten und 30 Beziehungen dargestellt – umsetzbar über den Myzelerator).*

## // Warum ein Myzel?

Das Care-Myzel soll eine Alternative für traditionelle Beziehungsweisen sein und einen Beitrag zur politischen Handlungsfähigkeit und Geschlechtergerechtigkeit von sozialen und politischen Kontexten leisten. Während der Alltag von lohnabhängigen und care-leistenden Menschen oft vereinzelt, erdrückend und von geschlechtlicher Ungleichverteilung von Care-Arbeit geprägt ist, soll das Myzel bewusst gestaltete solidarische Beziehungen ermöglichen.

## // Ziele & Vorteile des Myzels

- Gleichmäßige Verteilung von Care-Arbeit und Belastungen
- Dezentrale Organisation ohne Hierarchien
- Bewusste Befremdung organisch gewachsener Care-Beziehungen und Etablierung solidarischer Care-Beziehungen
- Aufbau neuer Strukturen, die nicht von vergeschlechtlichter Ungleichheit geprägt sind
- Vereinzelung, Überforderung und Reproduktion patriarchaler Verhältnisse entgegenwirken

# /1 Prinzipien des Myzels

## // Grundregeln

Die Basis der Myzelstruktur bilden einfache, aber wirksame Prinzipien:

- Jede Person unterstützt genau zwei andere Personen
- Jede Person erhält Unterstützung von genau zwei anderen Personen
- Es entsteht dadurch keine wechselseitige Care-Verantwortung

Aus diesen Regeln resultiert ein Netz an nicht-gegenseitigen Care-Beziehungen, das wir, anschließend an die Wurzelstruktur und den dezentralen Netzwerkcharakter von Pilzen, **Myzel** nennen.

Analog zur Pilzstruktur (= Myzel) nennen wir die "Knotenpunkte" des Netzwerks **Hyphen**, da sie die fadenförmige Grundstruktur von Pilzen beschreiben. Jede Dreierbeziehung zwischen zwei care-gebenden und einer care-empfangenden Person wird demnach als Hyphe bezeichnet. Jedes Myzel besteht also aus mehreren Hyphen.

## // Warum spielt die Geschlechterdimension eine so große Rolle?

Care-Verantwortung ist vergeschlechtlicht: Frauen\* leisten mehr Care-Arbeit, fühlen sich stärker verantwortlich, tragen mehr mentale Belastung. Um zu verhindern, dass sich das in Myzel-Strukturen fortsetzt, ist es sinnvoll, weitere Zuteilungsregeln zu treffen. Solche können etwa sein:

- Keine zwei Frauen\* und nicht-binäre Personen sollen für einen Mann Care-verantwortlich sein.
- Keine zwei Männer sollen für eine nicht-männliche Person verantwortlich sein.

Ziel ist es dabei nicht, dass Frauen\* keine Care-Verpflichtungen eingehen, sondern Wege zu erproben, diese geschlechterübergreifend möglichst gerecht und gleich zu verteilen.

# /2 Vorgehen für die Etablierung eines Myzels

## // Aushandlung & Modellierung

Am Anfang steht immer die kollektive Aushandlung über Ziele, Hoffnungen, Hürden und Ängste und wie man die Etablierung angehen möchte. Auch über den gemeinsamen politischen Anspruch für eine solidarische und antisexistische Care-Praxis sollte diskutiert werden.

Es stellen sich also einige Fragen, die jeder Kontext für sich aushandeln muss:

- Was ist der politische Anspruch unserer Care-Organisierung?
- Wer soll Teil des Myzels sein? Auch Freund\*innen, Familie und Genoss\*innen, die (noch) nicht Teil von Care-Organisierung sind?
- Nach wie vielen Wochen soll die Zuteilung rotiert werden?
- Welche zusätzlichen Regeln abseits der Grundregeln sollen bei der Zuteilung angewandt werden?
- Welche Unterstützungsformen wollen wir uns geben und was sind dabei realistische Erwartungen?

## // Konkrete Zuordnung

Ist der Kontext bereit, in die Praxis überzugehen, muss eine Zuteilung von Care-Verantwortungen erfolgen. Dabei könnt ihr den **Myzelerator** nutzen: In diesem ist ein Algorithmus hinterlegt, der die Grundregeln als harte Regeln und die Geschlechterregeln als weiche (= Einhaltung, wenn mathematisch möglich) hinterlegt. Der Myzelerator speichert Daten ausschließlich im Cache des eigenen Geräts, dennoch ist es – wie insgesamt – sehr wichtig, auf Datensicherheit zu achten. Das bedeutet im konkreten Fall des Myzels:

- Ausschließlich Pseudonyme verwenden: keine Klarnamen im Myzelerator, in der Dokumentation oder sonstwo!
- Die digitale Kommunikation für das Myzel und zwischen den Hyphen sollte nur auf sicheren Plattformen wie Signal erfolgen – stellt verschwindende Nachrichten ein!

# /3 Laufende Reflexion und Anpassung

## // Regelmäßige Check-ins

Um die Myzelstruktur lebendig zu halten:

- Check-ins im Alltag / bei Care-Plena / bei (monatlichen) Reflexionstreffen
- Austausch über Erfahrungen
- Anpassung bei veränderten Bedürfnissen

## // Umgang mit Veränderungen

- Möglichkeiten für temporäre Anpassungen diskutieren, falls etwas nicht klappt
- Die Integration neuer Mitglieder ermöglichen

## // Tools

Die Koordination kann erleichtert werden durch:

- Den **Myzelerator**, der die Zuteilung von Care-Verantwortlichkeiten erleichtert
- Für das eigene Hyphen bietet sich eine Signal-Gruppe an, in die aktuelle Care-Personen hinzugefügt werden

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**Tool zur Zuteilung von Care-Verantwortung:** Der Myzelerator ist interaktiv in die Website eingebunden – siehe eigenen Bereich "Myzelerator" in der Navigation.
