# /0 Kurzfassung

Um die bestehenden patriarchalen Verhältnisse in der Care-Politisierung nicht auszublenden, empfiehlt sich ein regelmäßiger, separater Austausch unter allen FLINTA*-Personen. Dieser Austausch schafft einen Schutzraum. In diesem Raum können FLINTA*s gemeinsam patriarchale und männliche Dynamiken im Plenum kritisch reflektieren. Und aktiv dagegen vorgehen.

Gleichzeitig ist es nötig, dass sich Cis-Männer der Care-Struktur in eigenen Runden treffen. Ziel ist herauszufinden, wie Männlichkeit die Organisierung von FLINTA in der Care-Struktur behindert. Und wie Cis-Männer FLINTA dabei aktiv unterstützen können. So können Cis-Männer Männlichkeitsprobleme früh erkennen und ansprechen. Oder zumindest reaktiv zu ihrer Behebung beitragen. Dadurch werden sie zu verlässlicheren Gefährt*innen für FLINTA*.

Dieses Protokoll beschreibt Grundlagen und konkrete Möglichkeiten einer Männlichkeit verratenden Organisierung.

# /1 Theoretische Grundlagen zu Männlichkeit

## // Begriff(e) von Männlichkeit — was verstehen wir darunter?

Männlichkeit ist ein andauerndes Problem. Sie beruht auf der Idealisierung der eigenen Subjektivität als stark und widerspruchslos. Gleichzeitig werden andere Subjektpositionen abgewertet. Das männliche Selbstbild vereint sexuelle und soziale Potenz in einem Souveränitätsanspruch. Dieser Anspruch wird von einer doppelten Bedrohung begleitet: der Angst vor Potenzversagen und der Angst vor Frauen. Queers werden oft als Verräter*innen wahrgenommen. Sie verunsichern die eigene Geschlechtsidentität. Das Verhältnis zu Cis-Frauen ist von einer Mischung aus Lust, Angst, Neid und Hass geprägt. Sexuelle Gewalt dient dabei nicht nur der Wiederherstellung beschädigter Männlichkeit. Sie dient auch der sexuellen Befriedigung.

Männer versichern sich ihrer Souveränität, indem sie andere — vor allem Nicht-Cis-Männer — zu Objekten machen. Zu Objekten der Lust, der Gewalt oder der Fürsorge. Das geschieht oft nicht unmittelbar durch körperliche Gewalt. Sondern durch die Verdrängung eigener Unsicherheiten. Andere Personen werden dabei als Bestärker*innen der eigenen Souveränität angerufen. Im Kern geht es darum, Aufmerksamkeit, Anerkennung und Care zu erhalten. Um die eigene Souveränität aufrechtzuerhalten — ohne sich mit Verletzlichkeit auseinandersetzen zu müssen. Gelingt dies nicht, liegt die gewaltvolle Dimension nahe. Die Aufgabe einer Männlichkeit-Verraten-Struktur ist daher nicht, ein „korrekter Mann" zu sein. Sondern Männlichkeit aktiv zu verraten und anzugreifen — überall, wo sie sich zeigt.

> **[!] Keine kritische Männlichkeit!**
>
> Die Aufgabe ist nicht, ein „korrekter, kritischer Mann" zu sein. Die Aufgabe ist, Männlichkeit aktiv zu verraten und anzugreifen, überall wo sie sich manifestiert!

# /2 Empfehlungen für die Praxis

> **[!] Das Wichtigste ist eine Praxis!**
>
> Das Wichtigste ist, tatsächlich regelmäßige Treffen unter Männern durchzuführen. Der Output dieser Treffen muss den Ansprüchen der Genoss*innen genügen — und darf nicht nur der Selbstdarstellung dienen.

## //2.1 Wo wollen wir konkret ansetzen?

- **Bedürfnisse von Nicht-Männern aktiv in den Blick nehmen:** Gibt es eine Praxis, sich über Ansprüche und Erfahrungen von Frauen und queeren Personen zu informieren und sie aktiv zu unterstützen?
- **Verletzlichkeit zugänglich machen:** Wie können wir produktiv über eigene Unsicherheiten sprechen — besonders vor anderen Männern — ohne dabei übermäßig Raum einzunehmen oder uns in den Mittelpunkt zu stellen? Wie können wir Beschämung riskieren und auf Kränkungen vorbereitet sein?
- **Eigenverantwortung stärken, verlässlich sein:** Wie können wir aktiv mit dem eigenen idealisierten Selbstbild brechen? Und Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen, statt uns auf Rechtfertigung und moralische Reinheit zurückzuziehen?
- **Konfrontation üben:** Wo sind Männer bei problematischem Verhalten direkt anzusprechen und zu konfrontieren — einschließlich des Umgangs mit Scham- und Unwohlgefühlen?
- **Männliche Konkurrenzdynamiken im Blick behalten:** Wie können wir Theorie nur einbringen, wenn sie wirklich zum Verständnis beiträgt — nicht zur Selbstdarstellung? Wo können wir Name-Dropping, Dopplung von Wortbeiträgen und kämpferische Gesprächsstile benennen und reduzieren?

> **[!] Transparenz!**
>
> Ein Transparenzanspruch ist wesentlich: Ladet FLINTA*s, mit denen ihr organisiert seid, zu diesen Plena ein. Macht Protokolle für sie zugänglich. Besprecht Ergebnisse innerhalb der Organisierung.

## //2.2 Möglicher Ablauf eines Männlichkeit-Verraten-Plenums

1. **Check-in** mit Sammeln von Tagesordnungspunkten.
2. **Tagesordnungspunkte** — Strukturierte Problembearbeitung entlang folgender Fragen:
   - Gibt es in unserer Struktur aktuell Themen mit Männlichkeit, die nicht-Männer in ihrer Organisierung behindern?
   - Was tun wir dagegen?
   - Wie unterstützen wir aktuell FLINTA*s in ihrer feministischen Organisierung?
3. **Check-out** mit strategischer Ausrichtung.

> **[!] Kritische Reflexion!**
>
> Etabliert einen Modus der regelmäßigen Reflexion: Hilft die Struktur tatsächlich dabei, Themen mit Männlichkeit zu bearbeiten? Und unterstützt sie Genoss*innen in ihrer Organisierung?
