# /0 Kurzfassung

## // Warum Deli-Plena?

Einzelne Community-Plena sollen nicht in sich geschlossene Communities sein, die nur ins Innere solidarisch handeln. Ziel ist es, über einzelne Plena hinweg kollektiv am Netz solidarischer Beziehungsweisen einer anderen Stadt zu knüpfen. Eine solidarische Stadt ist auf Koordination, Diskussion und Unterstützung zwischen Care Communities und allen anderen Personen und Gruppen der Caring City angewiesen.

Hierfür benötigt es einen strukturierten, kontextübergreifenden Austausch über Erkenntnisse aus Reflexionen und politischen Aushandlungen bestehender Care-Communities bei regelmäßigen Deli-Plena.

## // Wer nimmt an Deli-Plena teil?

Delegierte verschiedener Caring Communities und anderer (care-)politischer Gruppen. Jede teilnehmende Gruppe sendet Delegierte zum Deli-Plenum.

## // In welchem Modus finden die Deli-Plena statt?

Die Deli-Plena folgen einem standardisierten (jederzeit aber diskutier- und änderbaren) Vorgehen, das die möglichst effektive kontextübergreifende Koordination und Diskussion ermöglichen soll.

# /1 Strukturelle Grundlagen

## // Teilnehmende

- Zwei Delegierte je Gruppe, Institution, Care Community und anderweitig (care-)politischer Kontexte
- Die jeweiligen Gruppen sollen auf die sensible Auswahl sowie verfügbare Ressourcen und ausreichende Unterstützung der Delegierten achten
- Delegierte tragen die jeweiligen Positionen und Projekte der einzelnen Kontexte ins Deli-Plenum
- Im Fokus stehen Unterstützungsbedarfe und Handlungsmöglichkeiten der Basisgruppen angesichts gesellschaftlicher Konfliktlinien
- Anspruch, auch die finanzielle Dimension von Care zu berücksichtigen und zur emanzipatorischen Umverteilung privater Vermögen über einzelne Kontexte hinweg beizutragen

> **Hinweis:** Wie auf Ebene der Care Communities soll auch auf Ebene der Deli-Plena ein regelmäßiger separater Austausch nicht-männlicher Personen sowie institutionalisierte Männlichkeitskritik (Männlichkeit-Verraten-Ratschlag) stattfinden. Außerdem müssen die Themen finanzielle Ungleichheit und ableistische, rassistische und antisemitische Diskriminierung bearbeitet werden.

## // Frequenz und Zeitrahmen

- Regelmäßige reguläre Deli-Plena (bspw. alle 6 Wochen)
- Bei Bedarf akute Deli-Plena

## // Vorbereitung

- Alle Kontexte diskutieren vorab intern, welche Themen sie für die TOPs des Deli-Treffens mitgeben möchten
- Die Themen werden vorab gesammelt und beim Deli-Treffen selbst priorisiert

Leitfragen zur Themensammlung vorab — entlang der TOP-Kategorien aus Phase 3:

- Welche politischen Fragen hinsichtlich unserer Reproduktion als politisch Aktive sind besonders dringend und können in unserem Kontext nicht gelöst werden?
- Welche Themen — insbesondere mit Bezug zu Lohnarbeit & Arbeitslosigkeit, Carearbeit, alltägliche Versorgung und Optionen zur Selbstentfaltung — wollen wir kontextübergreifend diskutieren?
- Welche Erkenntnisse und Perspektiven möchten wir weitergehend teilen?

# /2 Tagesordnungsstruktur

## // Strukturiertes Vorgehen

Die Deli-Plena folgen einer Tagesordnungsstruktur, die die möglichst ressourcen- und zeitschonende Koordination, Diskussion und Bearbeitung anstehender (care-)politischer Themen ermöglichen soll. Wie die Protokolle ist die TO nicht in Stein gemeißelt, sondern soll Gegenstand fortlaufender Anpassung sein. Dennoch sollte auch die Diskussion der Struktur zum eigenen, geplanten Tagesordnungspunkt gemacht werden. Sich an selbst kollektiv gegebenen Verfahrensregeln zu orientieren ist ein wichtiger Baustein gelingender kontextübergreifender Koordination.

## // Politischer Anspruch im Vorgehen

- Explizite Zurückweisung reiner Kompensationslogiken — die gemeinsame Organisierung darf nicht auf den Ausgleich kapitalistischer Krisen beschränkt sein
- Gegenseitiges Update bzgl. Gegner\*innenbestimmung — woran scheitert Vier-in-Einem / feministische Vergesellschaftung? Was sind die zentralen Probleme bei der emanzipatorischen Gestaltung von Care?
- Care-Ratschlag: Deli-Plenum als Ort des kultivierten Streits über Grundsatzfragen und der pragmatischen Lösung technischer Probleme
- Austausch über benötigte und bestehende Ressourcen sowie Aushandlung der (Um-)Verteilung im Kontext von Erfahrungswerten aus & Vernetzungen in Kämpfen — und mit dem (solidarischen) Land drumherum

## // Diskussionsmodus

- Persönliche Erfahrungen und Perspektiven werden explizit mit strukturellen und politischen Analysen verbunden; kollektives Reflektieren, Planen, Aushandeln und Entscheiden
- Moderierte Diskussion entlang eingangs festgelegter Priorisierung; Ergebnisprotokoll
- Das Ergebnisprotokoll kann direkt in die Tabelle mit TOP-Vorschlägen eingefügt werden — einfach die Tabelle als Vorlage bei jedem Plenum neu verwenden

## // Verwendung der Tagesordnungsstruktur

Eine vollständige Praxisvorlage mit Leitfragen und der Protokolltabelle aller Themenkategorien steht unter **Ressourcen** zum Download bereit — als PDF zum Ausdrucken oder als Markdown zum Bearbeiten in einem eigenen Pad. Für jede Sitzung eine eigene Kopie anlegen.

## // Kurzform der Tagesordnungsstruktur

**Phase 1: Check-in 1 — Bedarfsartikulation** (als jeweilige Gruppe)

- Welche Kämpfe führen wir gerade und was treibt uns am meisten um?
- Womit brauchen Kontexte (demnächst) Hilfe?
- Wie schätzen Kontexte ihre aktuelle individuelle Leistungs(un)fähigkeit ein?
- Welcher Umgang mit bestehenden Ressourcen sowie Aufbau neuer Ressourcen und aktive Gestaltung von Antagonismen wird wie priorisiert?

**Phase 2: Check-in 2 — Politische Dimension der Bedürftigkeiten fokussieren, TOPs für heute priorisieren**

- Was wollen wir heute ausführlicher thematisieren?
- Welches Thema für welche TOP-Kategorie?
- Welche Themen sollten wir priorisieren?

**Phase 3: TOPs — Strukturierte Problembearbeitung**

- Tiefergehende politische Auseinandersetzung, um langsam aber stetig einen strukturierten, kontextübergreifenden Austausch zu konkreten, carepolitisch relevanten Themen zu erarbeiten
- Nicht alle Kategorien müssen jedes Mal dran kommen!
- Vorbesprechung & Sammlung von Themen vorab; Delegierte bringen dann gesammelte Themen aus ihren Kontexten ein
- Zu jeder Kategorie werden Updates ausgetauscht, ggf. Forderungen festgehalten und ggf. Aktionen (insbesondere Care-Streik, Öffentlichkeitsarbeit und rechtliche Schritte) beschlossen

**Phase 4: Check-out — Strategische Ausrichtung**

- Kollektive Strategie schärfen, Plenum im größeren politischen Kontext verorten
- Worauf zielt unsere Care-Vernetzung kurz- und langfristig ab?
- Wie zufrieden sind wir mit der aktuellen Entwicklung?
- Worüber wollen wir bis zum nächsten Mal nachdenken?
- Wie werden wir Teil größerer Care-Strukturen?

# /3 Dokumentation und Weiterentwicklung

## // Dokumentation je Treffen

- Kollaboratives digitales Ergebnisprotokoll
- Erfassung von Care-Bedarfen und -Angeboten
- Dokumentation struktureller Hindernisse
- Aufbau eines gemeinsamen Vokabulars

## // Evaluation (alle 3 Monate)

- Reflexion der Care-Struktur und ihrer Entwicklung
- Überprüfung von Zugänglichkeit und Inklusivität
- Analyse der Care-Arbeitsverteilung
- Bewertung der politischen Wirksamkeit

## // Weiterentwicklung

- Austausch mit anderen Care-Strukturen
- Formulierung politischer Forderungen aus gemeinsamen Erfahrungen
- Laufende Anpassung des Protokolls auf Basis der gesammelten Erfahrungen & politischen Ausrichtungen

# /4 Kritische Reflexion

Das Plenum stellt sich regelmäßig folgende Fragen — als kollektive Selbstüberprüfung:

- **Community-Kapitalismus** — Sind wir bloßer Lückenbüßer für abgebaute Sozialleistungen?
- **Psychologisierung** — Verlieren wir die politische Dimension, indem wir in therapeutische Logiken verfallen?
- **Expert\*innenherrschaft** — Entstehen Hierarchien durch ungleich verteiltes Wissen?
- **Naturalisierung** — Reproduzieren wir die Vorstellung von Care als „natürliche" oder „weibliche" Aufgabe?
- **Kommodifizierung** — Wird Care zur Tauschware?
- **Kollektivismus als Selbstzweck** — Übergehen wir individuelle Unterschiede zugunsten einer Kollektivität um ihrer selbst willen?
- **4-in-1-Perspektive** — Können wir durch unsere Praxis die kapitalistische Trennung der vier Lebensbereiche überwinden?
- **Umverteilung** — Gelingt es, Verantwortung füreinander zu übernehmen und angehäuftes privates Vermögen sowie andere problematisch ungleich verteilte Ressourcen umzuverteilen?

# /5 Abschlussbestimmungen

Dieses Protokoll ist ein lebendes Dokument — kein Regelwerk, sondern Orientierungshilfe, die lokale Anpassungen voraussetzt.

Building Caring Cities from Below ist ein Versuch, relationale Autonomie durch kollektive politische Praxis zu verwirklichen und neue emanzipatorische urbane Infrastrukturen aufzubauen — jenseits traditioneller Gemeinschaftsformen, marktförmiger oder staatlicher Strukturen.

Das Protokoll selbst ist eine Form der „technischen Zärtlichkeit" — rationale Strukturierung im Dienst kollektiver Handlungsfähigkeit.
